Nachbetrachtung zum „Werkstattgespräch für Friedensbewegte“, am 17. Mai 2026, in der Kulturwerkstatt Beckingen.

Reinhardt Klimmt, der ehemalige SPD-Ministerpräsident des Saarlandes, war im Mai 2026 Gast beim „Werkstattgespräch für Friedensbewegte“, in der Kulturwerkstatt Beckingen.

Wie bereits im April 2026, beim Saarbrücker Ostermarsch, lautete sein Credo: „Friedensfähig statt kriegstüchtig!“. Klimmt wandte sich dabei gegen deutsche Waffenlieferungen in Kriegsgebiete und unterstützt gleichzeitig die Förderung der saarländischen Rüstungsindustrie durch die SPD-Landesregierung.

Das „Werkstattgespräch für Friedensbewegte“ wurde wegen dieser Widersprüche kritisiert. Lesenswert ist dazu ein Text von Klaus Linder.

Klaus Linder (Berlin) schreibt:
(https://www.facebook.com/klaus.linder.332).

„Ich halte es für eine der typischen Verdunkelungen durch den „links“-opportunistischen Mehltau, der über sogenannten antimilitaristischen Aktivitäten liegt, wenn Ihnen zu einer der sozialdemokratischen Speerspitzen des Faschismus, Pistorius, nichts anderes einfällt, als dass er das Wort „kriegstüchtig“ aufgebracht hat, und sich dann dagegen zu verwahren. Dahinter steckt offenbar das Interesse, immer noch eine „friedensbündnisfähige“ Teil-SPD vorzugaukeln, zu der man gelangen könne, wenn sie nur von solchen „Auswüchsen“ gereinigt würde. Zu solchen Kunstgriffen gegenüber einer ultrareaktionären Partei greift aber nur, wer ohne solche Bündnisvorwände selber von der Bühne abtreten müsste. Die (schwindende) Parteibasis der SPD, wegen der man „bündnisoffen“ bleiben müsse, ist hier nur als billiger Vorwand einzuschätzen, um im Film selber noch vorzukommen, wenigstens als Komparse. Sobald diese Basis nämlich massenhaft von der Sozialdemokratie z.B. zur AfD abschwenkt (oder in England zur „Reformpartei“, in Frankreich Le Pen usw.,) entfällt sofort das Argument, man dürfe um der Massenbasis und Aktionseinheit willen dem Faschismus der Parteiführung gegenüber nicht „sektiererisch“ sein, und man geht zu „Brandmauern“ über. Dieses Bündnisschema zwecks Selbsterhaltung bleibt gegenüber der inneren Faschisierung der SPD und der Sozialdemokratie überhaupt vollkommen gleichgültig.

Der Offenbarungseid der „Kriegstüchtigkeit“ des Imperialismus als Fiktion ist längst erfolgt und steht nicht erst in der Zukunft bevor. Infolgedessen geht es jeder Kommandostruktur des Imperialismus zwischen Washington, Brüssel, Berlin, London, Paris nicht mehr um die illusorische Erwerbung tatsächlicher Kriegstüchtigkeit von NATO, USA, „EUROPA“. Auch der schlechteste imperialistische Nachrichten- und Aufklärungsdienst glaubt nicht an eine wiederzuerlangende „Kriegstüchtigkeit“ seines Lagers; auch nicht ein Volksfeind wie Pistorius. Was sie hinter der Nebelwand dieses Wortes verfolgen ist nicht der „militärische Gebrauchswert“ von Kräften und Mitteln, sondern die Steigerung des Terrorismus nach außen und innen. Um nicht mehr durch die Verdeckung dieses Terrors gehemmt zu sein, sondern ihn möglichst offen ausüben zu können, verkleiden sie ihn unter militärischer Maske und Nomenklatur. Dazu gehört auch die „Wehrpflicht“, die militärisch so nutzlos und totgeboren ist wie Leopardpanzer und Taurusraketen.

„Friedenswillige“ sind äußerst schlecht beraten, wenn sie sich diesen Knochen „Kriegstüchtigkeit“ vorwerfen lassen, als sei deren Verhinderung ein Etappenziel und eine Hauptlosung. Zunächst einmal müssten sie feststellen, dass die NATO-Terroristen selber nicht glauben, dass Kriegstüchtigkeit gegen Russland, Iran, China ein reales und erreichbares Etappenziel wäre.

Ob jemand in Deutschland den Wehrdienst verweigert oder nicht, ob ihm befohlen wird gegen Russland aufzumarschieren oder nicht, ob er das subjektiv gutheißen will oder das nicht „will“: das hat keinen Einfluss darauf, dass er in BEIDEN Fällen nicht kriegstüchtig ist und es auch nicht werden wird. Es gibt in einem nicht kriegsfähigen Ganzen keine kriegsfähigen Teile. Allenfalls in Hollywood.

Die objektiven Voraussetzungen für taktische, strategische, operative „Kriegstüchtigkeit“ ist nicht gegeben. Jeder weiß, dass hier nicht „vom Krieg an sich“ die Rede ist, sondern immer noch vom realen kinetischen Krieg gegen Russland, mit Bodenbewegung gegen dasselbe, mit vorrückender Infanterie, Artillerie, Panzerarmeen, Luftkrieg, mit irgendwie wirksamer Luftabwehr gegen Hyperschallraketen, gegen Oreschnik und Sarmat (die Patriot-Systeme versagen bereits gegen Drohnen), mit Fähigkeiten, die russische Luftabwehr mehr als sporadisch zu überwinden, mit notwendigen Ressourcen und der Möglichkeit, all das in industrieller Massenproduktion verfügbar zu haben, und zwar bezahlbar und rechtzeitig. Selbst die entrechtetste Ausplünderung eines Volks von Arbeitssklaven wird diese Bedingungen nicht mehr herstellen, sowenig wie die Einberufung von Soldaten, ob mit oder ohne Wehrpflicht.

Auch die aggressivsten Treiber des Imperialismus-Faschismus, wie SPD-Pistorius, wissen, dass weder eine BRD-Armee, noch eine EU-Armee, noch eine NATO-Armee, noch irgendetwas davon mitsamt den USA von „Kriegstüchtigkeit“ hier und heute träumen kann.

Das Wort ist irreführend, eine Augenwischerei. Man kann aber nicht eine der Irreführung dienende Losung, die „in sich“ bereits die objektive Wirklichkeit negiert, zu einer massenwirksamen Losung antifaschistischen und antiimperialistischen Widerstands machen, indem man auffordert, sie ausschließlich subjektiv zu negieren, indem man den Willen bekundet, „nicht kriegstüchtig“ zu sein, was man sowieso nicht ist, auch wenn man es wollte.

Die NATO-Kriegstreiber und ihr „links“-opportunistisches Oppositionspendant achten beide penibel darauf, dass das, was als Losung ihre strenge Zensur passieren darf, niemals die Blase des idealistischen, subjektiven Sollens&Wollens, des Wollensollens und des Sollenwollens verlässt. Darum übernimmt der „linke“ Opportunismus so penetrant regelmäßig die Losungen, die der Gegner selber einführt, um dann durch die Verneinung des Wortpopanzes den Eindruck zu erwecken, man entziehe der Sache selber die Grundlage.

Das ist nicht nur ein Stil- oder Schönheitsfehler. Das Mitmachen bei der Augenwischerei fördert die Aufrechterhaltung der militärisch längst bröckelnden antirussischen Front. Natürlich sind alle subjektiven Gründe, sich für diese nicht verheizen zu lassen, nicht als „unberechtigt“ oder „falsch“ abzutun. Aber richtig und brauchbare Losungen im Massenkampf würden sie erst, wenn übergreifende objektive dazukämen.

Die Augenwischerei, dass eine Bewegung gegen die Wehrpflicht das objektive Ziel hätte, den deutschen Imperialismus mit Ausbremsung derselben an der Erreichung einer Kriegsfähigkeit zu hindern, die er andernfalls erlangen würde, kann für sich genommen, in der Blase des Subjektivismus verbleibend, dem Imperialismus-Faschismus und seinem Weltkrieg nicht in den Arm fallen. Das ginge nur, zumindest als Entwicklungskeim, wenn die objektive Notwendigkeit der antiimperialistischen Front und das objektive Verhältnis von Sieg und Niederlage in der Losung mitgespiegelt wäre.

Die objektive historische Militärlage des Imperialismus ist: Als der nicht mehr kriegstüchtige, aber angreifende Teil eine Front aufrechtzuerhalten, an der der Anti-Imperialismus und Antifaschismus inzwischen der kriegstüchtige, aber sich verteidigende Teil wurde. Es geht dem Imperialismus deshalb nur noch um Terrorismustüchtigkeit, nicht um echte militärische Konzepte und Organisiertheit. Davon lenkt das ganze Gerede über Kriegstüchtigkeit ab. Die Bourgeoisie ist inzwischen genauso abstrakt-utopistisch geworden wie ihre Sparringpartner von der revolutionären Phrase.“