Aufkündigung der Schuldmoral gegenüber der zerstörerischen Gläubigermacht

Essay über das Leben unter neoliberalen Bedingungen

Autor: Franz Schneider, Saarbrücken

Das Jahr 1971 stellt einen weltweiten Wendepunkt dar, der in seiner ganzen Dimension und Bedeutung für eine perspektivische linke Politik noch nicht wirklich erfasst ist.

Die Ära des Bretton-Woods-Systems ist beendet, eine neue Ära nach diesem System beginnt.

Die westdeutsche Nachkriegsära der 50er und 60er Jahre war von einem Daueraufschwung der Wirtschaft geprägt. Der zu verteilende Kuchen zwischen Unternehmern und Lohnabhängigen wuchs ständig. Der Konflikt Arbeit-Kapital konnte stark abgemildert werden. Es herrschte quasi Vollbeschäftigung. Die „Entproletarisierung“ der Arbeiterschaft nahm durch die Einbindung ins Unternehmensgeschehen – Mitbestimmung, Arbeitnehmerbeteiligungen – konkrete Formen an. Stolze Gewerkschaftsführer prägten das Bild. Streiks für Lohnerhöhungen Kluncker-Runde erreichten in aller Regel ihr Ziel. Höhepunkt die Kluncker-Runde 1973 mit einer Erhöhung um 11%. Eine homogene Arbeitnehmerschaft (Industriearbeiter, Öffentlicher Dienst) war durch eine homogene Form der Ansprache erreichbar und mobilisierbar.

All dies änderte sich schlagartig 1971 mit der Aufkündigung der Goldbindung des Dollars durch Nixon bzw. endgültig mit der Beendigung von Interventionen der Zentralbanken 1973.

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